Cassy ist eine 10 Jahre alte Quater Horse Stute. Sie wird auf Turnieren vorgestellt und in der Regel 6 mal die Woche geritten/trainiert. Als ich Cassy kennenlernte war sie seit 3 Wochen beim Reiten sehr unwillig. Sie wollte nicht richtig antraben, schmiss beim Galopp den Kopf hoch und legte dabei die Ohren an. Wollte die Besitzerin im Schritt nach vorne reiten ging Cassy oftmals mit angelegten Ohren rückwärts. Des Weiteren drückte sie den Rücken durch und ließ sich auch nicht gut in einer Rechtsbiegung reiten. Sie verwarf sich auf dieser Seite im Genick und bog den Hals so gut wie gar nicht. Beim Versuch den Hals in eine Rechtsbiegung zu bringen, ob beim Reiten oder am Boden, legte sie die Ohren an und biss in die Luft.

Schon bei der Adspektion (optische Überprüfung) von Cassy konnte man erkennen, dass hier einige Probleme vorlagen. Cassy wirkte sehr angespannt und unruhig. Bei der Gangprüfung im Schritt und Trab konnte man ganz deutlich erkennen, dass Cassy sehr kurztrat und die Kruppe so gut wie keine Bewegung zeigte. Bei der Palpation (taktile Untersuchung) war Cassy brührungsempfindlich, verschiedene Muskelgruppen waren sehr stark angespannt und an einigen Stellen im Bereich der Wirbelsäule konnte man Erwärmungen fühlen. Schlussendlich zeigte die Überprüfung der Beweglichkeit, dass hier Blockaden im Bereich der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule sowie Fehlstellungen im Becken und ISG vorlagen.

Therapie

Ziel der Therapie sollte es sein, Cassy´s Körper wieder ins Gleichgewicht bzw. in Einklang zu bringen. Das alleinige Lösen der Blockaden wäre in diesem Fall nicht zielführend gewesen. Hier musste zusätzlich eine Entspannung der Muskulatur und eine Behandlung der faszialen Struktur durchgeführt werden. Um eine Verschlimmerung der Problematiken zu vermeiden, setzte ich für die Therapie 6 Behandlungen über einen Zeitraum von 6 Wochen an. In der ersten Woche zwei Tage und in den nachfolgenden Wochen eine und dann die letzten beiden Behandlungen im Abstand von 14 Tagen. Durch diese, bei mir nicht immer präferierte, kompakte Behandlungseinheit, konnte ich gezielter auf die Probleme des Pferdes einwirken und zusätzlich den Verlauf der Behandlung engmaschiger kontrollieren.

In der ersten Behandlung entschied ich mich für die sanften Techniken der 10 Schritte nach Upledger, die zur Mobilisation von Gewebe und zur Aktivierung der dem Cranio-Sacralen System von Natur aus innewohnenden selbstkorrigierenden Eigenschaften dienen. Hierdurch erreichte ich einen guten Fluss des Liquor und somit eine optimale Versorgung und Entspannung der in weiteren Schritten zu behandelnden Strukturen.

10 Schritte nach Upledger – CV4 Technik

Während meines zweiten Termins in dieser ersten Behandlungswoche wurde Cassy von mir dann komplett durch behandelt. Nach dem ich Cassy´s Muskulatur mit manuellen Techniken gelöst hatte, begann ich die bestehenden Blockaden im Hals und Rücken zu lösen. In weiteren Schritten korrigierte ich dann die Stellung des ISG und Becken.

In den darauf folgenden Behandlungen legte ich den Schwerpunkt auf das Lösen der faszialen Struktur und der Muskulatur. Neben osteopathischen Techniken und der manuellen Therapie (u.a. Massage) nutze ich zum Lösen von Verspannungen die Faszienrolle und das Novafon, das durch sanfte Vibrationen Verspannungen löst und damit zur Schmerzlinderung beiträgt. Während des einen oder anderen Termins war es auch wieder notwendig kleinere Blockaden im Rücken zu lösen.

Zusätzlich erstellte ich für die Besitzerin ein Trainingsprogram, das sinnvolle physiotherapeutische Übungen unterm Sattel und an der Longe beinhalt. Hier sollten unter anderem Bauch- und Kruppenmuskulatur sowie die Beweglichkeit trainiert werden. Des Weiteren zeigte ich ihr einige Dehnübungen, die sie bestenfalls vor jedem Reiten/Training durchführen sollte, um die Beweglichkeit von Cassy zu verbessern und um Verspannungen und Verletzungen vorzubeugen.

Schon nach den ersten beiden Behandlungswochen, zeigte sich Cassy viel entspannter und kooperativer. Das Vorwärtsreiten funktionierte, ohne Rückwärtslauf und angelegte Ohren, sehr gut. Die Hinterhand zeigte wieder mehr Bewegung, der Rücken wurde nicht mehr so stark durchgedrückt und der Kopf weniger oft hochgetragen. Im weiteren Verlauf der Behandlung wurde Cassy immer lockerer, die Seitwärtsbiegung des Halses, der Rücken und die Beweglichkeit verbesserten sich stetig. Am Ende der Behandlung war Cassy wieder locker und entspannt und es konnten wieder sämtliche Übungen, Manöver und alle Gangarten geritten werden.

In der Nachbesprechung zur Behandlung empfahl ich der Besitzerin die Dehn- und Bewegungsübungen in das Training einzubauen und um Stress und Verspannungen vorzubeugen ruhig auch mal mit Cassy ins Gelände zu gehen.

Fazit: Abschließend kann man sagen, das die Probleme, mit denen Casssy und ihre Reiterin zu kämpfen hatten auf starke Verspannungen und die dadurch entstandenen Blockaden zurückzuführen waren. Ob es nun ein nicht optimales Trainingsprogramm (Pausen, effektive Trainingszeit, Abwechslung uvm.), falsche Auf- und Abwärmphasen oder die fehlende Gymnastizierung und Dehnung war, was zu den Problem geführt hat, konnte am Ende nicht eindeutig festgestellt werden. Anmerken möchte ich jedoch, dass genau diese Dinge in keinem Trainingsplan eines ambitionierten Reiters fehlen sollten. Wenn man das berücksichtig, kann man Problemen vorbeugen und so sich und vor allem dem Pferd, die eine oder andere Behandlung ersparen.

Cassy- Eine Menge Probleme beim Reiten

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